Die deutsche Album-Top-10 beäugt!

Flower
Furchtbar, furchtbar, furchtbar! Die meistverkauften Alben der Woche sind wieder da. Und was soll ich sagen? Es schüttelt einen. Und freut einen. Weil man endlich mal wieder draufhauen kann auf Musik aus Deutschland bzw. Musik, die in Deutschland noch am meisten Käufer findet. Wobei: Machen wir uns nichts vor, reicht ja schon, ein paar tausend CDs zu verkaufen und schwupps! biste drin in der Top 10. Alles andere wäre ja auch furchtbar.
Diese Woche auf Platz 10: Andrea Berg mit ihrem „Atlantis“-Album.
Gestern klingelts bei mir an der Tür: die Nachbarin will ein Paket abholen und schaut mich mit ganz neuen Augen an, denn im Hintergrund läuft Musik von diesem Album. Das hat Frau Nachbarin wohl nicht von mir erwartet.
Langweilige Geschichte, ich weiß. Aber aus solchen Alltäglichkeiten könnte Andrea Berg gleich eine Handvoll Lieder basteln. Die trivialsten Geschichten sind eben doch die besten – auch das lernt man bei der singenden Krankenschwester aus Krefeld.

Auf Platz 9: James Blunts „Moon Landing“.
Natürlich darf man sich über den wehleidig-wehmütigen Ex-Soldaten, der den Kummer der Welt wegsingen möchte, lustig machen. Aber den Großteil der Kritik, die auf James Blunt niederprasselt, hat er nicht verdient: seine Lieder sind gut, sein Anliegen ist legitim, seine Pose glaubhaft. Nur: die Stimme, die Stimme, die Stimme, die Stimme...

Und damit zu Platz 8: „On Air – Live At The BBC Vol. 2“ von und mit den Beatles.
Kaum zu glauben: es lässt sich tatsächlich noch Neues in Sachen Beatles finden! Live-Aufnahmen aus den 60ern, die nicht von kreischenden Mädchen überlagert werden! Soundmäßig ein bisschen dumpf und breiig, aber gerade deshalb sehr authentisch.

Als die BBC die Beatles aufnahm – 1965 – wurde Ina Müller geboren. Mit ihrem Album „48“ – liegt sie auf Platz 7 der Charts.

Wie witzig: Ein Album, das das eigene Alter nicht verschweigt, sondern sogar noch zum Thema macht. Ich finde die bieder-frechen Art von Ina Müller unerträglich, musikalisch kommt mir das ganze Album frühvergreist vor.

Weiter geht’s mit Platz 6: Sunrise Avenue und ihre Platte „Unholy Ground“.

Um die Musik dieser Band aus Helsinki auch in ihrem Heimatland verständlich zu beschreiben, fehlen mir noch folgende Vokabeln: „langweilig“, „uninspiriert“, „mopsig“, „fade“, „eintönig“, „bleiern“, „witzlos und „nichtssagend“ wie übersetzt man diese Wörter ins Finnische?

Platz 5 Helene Fischer „Farbenspiel“

Der Schlager, so las ich gerade in einem Germanistik-Buch, der Schlager verspricht seinen Hörern das Ende von Einsamkeit und Alltäglichkeit, löst dieses Versprechen aber niemals ein. Wie bei einer Droge verheißt nur ein neues Lied, ein neues Album neue Träume, die dann wieder nicht erfüllt werden. Komplizierte Gedanken, die von Schlagerfans wohl nicht sofort nachvollzogen werden können. Deshalb noch mal in Klartext: Die Lieder von Schlager-Chefdealerin Helene Fischer machen abhängig. Aber auf Dauer nicht glücklich.


Deutsches auch auf Platz 4: Adel Tawil mit seinem Album „Lieder“.

Soul-Pop, gar nicht so weit weg vom Schlager. Ein bisschen anbiedernd, Adel Tawil scheint am liebsten in die Ohren seiner Hörer hineinkriechen zu wollen. Aber wozu? Da ist es dunkel, es riecht muffig – niemand sollte sich dort freiwillig hineinbegeben.


Lady Gaga würde das auch niemals machen. Für ihr neues Album „Artpop“ reicht es allerdings nur zu Platz 3.

Ist Lady Gaga noch der größte lebende Popstar? Oder ist das schon wieder vorbei, hat die Welt erkannt, dass die Kaiserin gar keine Kleider anhat? Eins der vielen Rätsel, die Lady Gaga, angeblich die reichste Frau unter 30, uns aufgibt. Ein weiteres: Wie kann eine so schillernde Persönlichkeit so banale und einfallslose Musik machen? Und wo ist da eigentlich die Kunst im Pop, die sie uns im Albumtitel verspricht?

Platz 2: Die Rolling Stones mit „Sweet Summer Sun – Hyde Park Live“.

Ohne jetzt irgendjemandem zu nahe treten zu wollen: das Thema Rolling Stones ist doch eigentlich durch, oder?

Und damit zur Nummer Eins: Eminem mit seiner „Marshal Mathers LP 2“.
Viel Wut, wenig Weisheit – auf der halben Welt führt das woie gehabt zu Charts-Spitzenpositionen. Marshal Mathers 2 ist Eminems bestes Album seit bestimmt 8 Jahren – sehr gut ist es aber trotzdem nicht: relevanter und aufregender HipHop wütet längst woanders.