Nick Höppner: wir nennen es Folk

Man wird ja wohl noch fragen dürfen: Darf jemand, der mit beiden Beinen fest im Techno und House steht, sein Album „Folk“ nennen? Nick Höppner, der als DJ, Produzent und Label-Chef das Geschehen im Berliner Club Berghain mitbestimmt, macht es einfach. Und meint natürlich etwas völlig anderes als handgemachtes, akustisches Gitarrengezupfe. Ihm geht es um die Tradition, in der die elektronische Clubmusik mittlerweile steht: vor 20, 30 Jahren wurde sie entwickelt, berief sich dabei auf Disco-Musik, die sich ja auch schon aus Funk und Soul herausgeschält hatte. Wann und wie genau das alles losging, lässt sich gar nicht mehr sagen. Aber wie die Musiker im Folk gaben auch hier die Produzenten und DJs ihr Wissen von Generation zu Generation weiter, auf Platte und auf dem Dancefloor. Und jede Generation machte aus dem Überlieferten etwas Neues, ohne die Wurzeln in Frage zu stellen. Höppners Tracks sind dafür das beste Beispiel: es regiert der 4/4-Takt, na klar, drumherum spielt er mit Sounds und Melodie-Schnipseln und fügt dem Techno-Universum einen weiteren kleinen Planeten hinzu, der kleine Electro-Folkie.