The KLF have entered the building (again) - nach 23 Jahren

The KLF
Die 23 ist keine ganz normale Zahl. Sie hat einige auffällige mathematische Eigenschaften. Vor allem aber gilt sie aus verschiedenen Gründen als „mystische Zahl der Popkultur“, was vor allem mit dem berühmten Kiffer-Buch „Illuminatus“ von Robert Shea und Robert Anton Wilson zu tun hat.

Auch die unterhaltsamsten und gleichzeitig anarchischsten Popprovokateure der 90er haben sich die „23“ nicht entgehen lassen: Am 23. August 1994 verbrannten The KLF nach einigen furiosen Jahren im Musikbusiness eine Million britische Pfund - und jetzt, 23 Jahre später, ist das britische Duo wieder da. Einige der Hits, mit denen The KLF Anfang der 90er für Furore sorgten: What Time Is Love, 3 AM Eternal, Justified And Ancient. Und jetzt haben sie sich also wieder zurückgemeldet mit einer dreitägigen Mitmach-Aktion in Liverpool – und mit einem Buch namens „2023 – A Trilogy“. Einem Act wie The KLF, der für Anarchie und Chaos gesorgt hat, nähert man sich am besten so strukturiert wie möglich. Also: Wer sind The KLF?
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500.000 Jahre Electro Royale

500 x Electro Royale
Wie feiert man denn so etwas gebührend: 500 Ausgaben "Electro Royale"? 500 Samstage in den vergangenen knapp zehn Jahren, in denen ich im Radio bzw. im Web elektronische Tanzmusik spiele und dazu mehr oder weniger (oft weniger) Sinnvolles sage? Vielleicht ganz kurz, nämlich so: Beste Sendung überhaupt. Also für mich. Ich kann da nämlich wirklich tun und lassen, was ich will - und jeder kann das hören oder auch nicht. So stelle ich mir Freiheit vor. Und aus Freiheit ergibt sich alles andere. Morgen, am 26. August 2017, steht sie also an, die Jubiläumsausgabe. Und wer mehr wissen will zu mir und zur Sendung, der wird beim Fragebogen fündig, den ich extra zu diesem Anlass beantwortet habe. Auf die nächsten 500!

Jeff Mills in Metropolis

Flower
Gerade zum ersten Mal den "Film-Klassiker" (so sagt man ja) Metropolis gesehen. Regisseur Fritz Lang hat die Geschichte von den "Oberen" und den "Unteren", von der guten und der bösen Maria, vom Vater und vom Sohn, vom irgendwie durchgeknallten Wissenschaftler und einem veritablen Aufstand 1925 und 1926 gedreht - und mit der offenbar sehr teuren Produktion damals einen veritablen Flop produziert. Kaum jemand wollte die zweieinhalb Stunden lange Urfassung sehen, Kritiker waren auch nicht sonderlich begeistert, auch die daraufhin gekürzte Version fand wenig Fans. Aber das war damals, inzwischen gilt der Film als Meisterwerk des Expressionismus. Jetzt wurde er gerade in Berlin als restaurierte Fassung gezeigt. Wie das mit "Meisterwerken", die 90 Jahre alt sind und als Stummfilm daher kommen, so ist: der Film wirkt alt und aktuell und futuristisch zugleich. Ich hätte die knapp zweieinhalb Stunden aber nicht durchgehalten, wenn nicht Jeff Mills live für die Musik gesorgt hätte! Jeff Mills ist einfach der Beste, wenn es um solche Projekte geht. Ein einzigartiger Score. Seltsam nur, dass im Publikum offenbar auch jede Menge Leute saßen, die ihn gar nicht kennen und die mit seiner Musik nichts verbinden - um mich herum jedenfalls einige fragende Gesichter, als die Moderatorin des Abends "DJ Mills" ankündigte (Mann, hoffentlich hat Jeff Mills das nicht gehört … DJ Mills, kann man sich gar nicht ausdenken, aber so ist das eben, wenn man Menschen, die keine Ahnung haben, mit Lobreden beauftragt). Im Netz findet sich übrigens ein ältere Fassung von Metropolis mit Soundtrack von Jeff Mills. Das ist ja auch als CD veröffentlicht worden. Aber die neue Fassung ist anders, länger - und mindestens genauso gut.

Vegard Vinge und Ida Müller: kein Interview

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Es ist vorbei: Vegard Vinge und Ida Müller, Musiker Trond Reinholdtsen und Dutzende von anderen haben die letzte Vorstellung im Nationaltheater Reinickendorf hinter sich gebracht. Es war klar, dass an diesem letzten Abend nicht das gleiche passieren kann wie an den neun Abenden (bzw. Nächten, die Vorstellungen dauern ja bis zu 12 Stunden) zuvor. Aber was genau? Noch nie erlebter Fäkal-Terror? Der Abriss des extra für einen Monat in einer alten Lagerhalle errichteten Theaters in Echtzeit, also während laufender Vorstellung? Vielleicht gar keine Vorstellung, wie es das vor Jahren ja auch schon gab? Oder die komplette Umarmung des Publikums? Nein, es kam dann doch, wie erwartet, ganz unerwartet. Read and rave on nach dem Klick ...

Lotic und seine Sounds aus einer anderen Welt

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J’Kerian Morgan alias Lotic ist „not your local queer artist“. Aber trotzdem einer der spannendsten DJs, die derzeit von Berlin aus die Clubwelt bereichern. Gerade hat er beim Yo!Sissy-Festival eines seiner berüchtigten DJ-Sets abgeliefert. Vorher aber saß er in meiner Küche und hat über alles mögliche gesprochen, über Musik, über Mietprobleme in Berlin, über die queere Szene - und darüber, warum er nur noch aus seiner Heimat, den USA, wegwollte. Interessanter Mensch, interessanter Musiker. Read and rave on nach dem Klick ...

Düster und immer noch gut: Vegard Vinge und Ida Müller am Nationaltheater Reinickendorf

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Fäkalien - eins der letzten Tabus in unserer Gesellschaft. Aber Vegard Vinge, der Ausnahme-Theatermacher aus Norwegen, hat keine Lust, da mitzumachen. Und so stehen seine körpereigenen Abfallprodukte nicht im Mittelpunkt, aber auch nicht völlig am Rande seiner Theatervorstellungen. Ich war jetzt noch einmal in seinem "Nationaltheater Reinickendorf" und es war ziemlich spektakulär, wie ein ganzer Saal reißaus nahm vor einer Hand voll Kot. Aber eben nur so gerade aus Wurfreichweite. Um sich dann wieder hinzusetzen und auf eine Fortsetzung der 12 Stunden langen Performance zu warten, in der Ibsen und Shakespeare, Baumeister Solness und Hamlet auf ganz eigene Art verarbeitet wurden. Hier und hier und hier sind ja die vorigen Besuche im Nationaltheater Reinickendorf bzw. im Prater der Volksbühne dokumentiert, dass ich Vinge/Müller-Fan bin, muss ich wohl auch nicht mehr schreiben. Aber was ich noch loswerden will: nach wie vor gut, diese Mischung aus allem, die nur schwer zu deuten ist. Video und Pausenperformance, ein Theaterhaus, das in seiner Art einzigartig ist, Schauspieler, Kostüme, Bühnenbild: alles passt zusammen. Schön, wie in einer Art Pause Dutzende von Malen Songs von Joy Division und Lana Del Rey liefen - und Vegard Vinge in seiner, nun ja, unnachahmlichen Art mitsang.

Neulich wurde ich mal gefragt, warum ich hier beim Technoarm so viel über Theater schreiben würde. Aber es ist ja nicht Theater im Allgemeinen, das mich interessiert, sondern diese Art von Theater. Dazu kommt: Vegard Vinge und sein "Soundmeister" Trond Reinholdtsen haben in ihre Aufführungen auf ziemlich gute Weise vieles integriert, was die (elektronische) Musik auszeichnet: Sampling, elektronische Verfremdung der Stimmen von Autotune bis Vocodereffekten, Stress durch Lautstärke und Geschwindigkeit, Beats und Melodien wie aus dem Ableton-1mal1. Und Trockeneisnebel plus Stroboskoplicht erinnert auch eher an Kellertechno als an herkömmliches Schauspielhaus. Eine Frage bleibt natürlich: Was, ja was nur soll man tun, wenn dieses Theater Ende Juli für immer seine Türen schließt? Ich weiß es nicht.

Vegard Vinge im Nationaltheater Reinickendorf, Tag 433 from Martin Boettcher on Vimeo.