Endlich: Video aus dem Berghain!

Das ist … witzig. Wirklich. Auch wenn Berghain-Witze ja mittlerweile ähnlich inflationär unterwegs sind wie die mit immer neuen Untertiteln versehene Bunker-Szene mit Bruno Ganz als Hitler. Oder der sich totlachende, zahnlose Komiker, der eine immer andere Geschichte erzählt, die er nicht fassen kann. Aber die haben hier beim Technoarm nichts zu suchen - im Gegensatz zum Berghain. Ich war ja neulich mal wieder da und habe gerne getanzt. Acht Stunden, die im Flug vergingen. Aber ich schweife ab. Also: Berghain inside! Die Musik unter dem Clip stammt übrigens von Head High. Der Track heißt Rave (Dirt Mix). Aber das nur am Rande.

Mobilegirl weiß, was sie will

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Mobilegirl ist der Künstlername der 23-jährigen Bao-Tran Tran. Die in Berlin lebende Musikerin ist im Rahmen des diesjährigen CTM zu erleben. Wenn alles nach Plan läuft, dann wird das aber nicht das letzte Mal sein, dass man von ihr hört. Denn sowohl als DJ wie auch als Produzentin geht sie Wege abseits der ausgetretenen Pfade (um mal diese ausgetretene Formulierung zu benutzen).
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Berghain rules! Pop-Kultur Tag 2

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Der moderne Mann von heute macht das ja so: erst arbeitet er ein bisschen, dann geht er zum Sport (die letzten Trainingstage im Freibad ausnutzen), dann geht er ins Berghain. Pop-Kultur heißt nach wie vor das Festival, das in diesem legendären Berliner Club abgehalten wird. Und jetzt, an diesem zweiten Tag, ist mir eins so richtig klar geworden: erstens sind dort viele, vor allem aber sehr angenehme Menschen unterwegs - und zwar sowohl auf den Bühnen als auch davor. Musiker und Besucher haben sich also gesucht und gefunden. Es sieht so aus, als ginge das eben doch, das mit dem „miteinander auskommen“. Vermutlich also kein schlechter Zug von den Machern, in der ganzen Stadt Plakate auszuhängen, aber eben in - wie sagt man da? - zivilisierter Art und Weise.
Zweitens sind auf diesem Festival unglaublich viele Berliner Musiker und Musikschaffende zu finden. Aber eben nicht diese Musikindustriellen, die ja gar nicht an Musik interessiert sind, sondern nur an der sie umgebenden Industrie. Dafür die anderen: die Labelbetreiber, die Musikjournalisten, die Konzertveranstalter, die Musiker. Spricht sehr für die ganze Veranstaltung.
Apropos: wer so spät erst kommt, den bestraft der Zeitplan. Ich habe also heute NICHT gesehen (obwohl ich gerne hätte): Evvol, Anika & T.Raumschmiere, Neneh Cherry (die grandios gewesen sein soll), Kane West, Schnipo Schranke und Messer. Mist.
Dafür aber: Kiasmos mit ihrem, nun ja, romantischen Techno. „Ist ja wie in Ibiza“, beklagte sich ein Musikjournalist-Kollege. Aber Ibiza, das weiß man ja (und kann man nachlesen und nachhören) ist eine feine Insel. Und mir war nach schwerer Bassdrum, leichten Melodien und schwebenden Synthie-Flächen. Kiasmos deshalb genau richtig.
Und dann (siehe Foto) eine kleine Zeitreise mit Verbindung ins Hier und Jetzt: ein Gespräch von Heiko Hoffmann vom Groove-Magazin mit Stephen Morris, Gillian Gilbert, Daniel Miller und Owen Pallett. Also zweimal New Order, einmal der Labelchef von Mute Records - und der kanadische Weltenwandler Owen Pallett. Sie alle sprachen über gestern, heute, morgen. Und als Gillian Gilbert noch einmal erzählte, wie sie einst für Joy Division die Gitarre spielte (es hatte mit einem Flaschenwurf auf Sänger Ian Curtis zu tun), wurde es noch mal klar: geballte Musikgeschichte auf dieser kleinen Bühne. Daniel Miller ist übrigens nicht nur Mute-Gründer, sondern auch DJ. Sein Techno: vermutlich nicht so romantisch, sondern eher von der lichtlosen Art. Und Owen Pallett trägt Doc Martens. Morgen mehr!

Pop-Kultur, Festival-Tag 1

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Da ist er schon wieder vorbei, der erste Tag des Pop-Kultur-Festivals im Berliner Berghain! Und es gibt einiges zu erzählen. Zum Beispiel das hier: es war ein schöner Tag bzw. ein schöner Abend. Das Berghain ist nach wie vor ein geheimnisvoller Ort, auch wenn mit Hilfe eines Tickets (oder eines Pressebändchens) jedes Bangen an der ach so harten Tür umgangen werden kann. Geheimnisvoll, weil dieses alte Heizkraftwerk so viele verwinkelte Orte hat, nicht kaputtsaniert wurde, von einer seltsamen Aura umhüllt wird.
Aber lassen wir das Berghain Berghain sein und widmen uns der Musik und dem Drumherum. Owen Pallett und Isolation Berlin, Andreas Dorau und Lapalux, Inga Copeland und noch so einige mehr sangen, spielten, lasen, diskutierten. Aber wie das immer so ist: ich habe dann doch nur Pantha du Prince, Fenster und Chikiss gesehen. Pantha du Prince, einer der großen Technoromantiker, trat mit Schlagzeuger (der Norweger Bendik Hovik Kjeldsberg) und Scott Mou (Panda-Bear-Kollaborateur) auf. Es ging um Masken und Roben, eine krasse Bassdrum, die das Herz zu Rhythmusstörungen verleitete und hohe Glockentöne bestimmten den Sound. Das mit den Masken und Roben, die irgendwie japanisch anmuteten, geht vermutlich noch besser. Die Musik war gut, sie waberte (und das meine ich jetzt alles im positiven Sinne) von Techno trifft Sisters of Mercy trifft Paul Kalkbrenner trifft Diamanda Galas trifft Kraftwerk. Nach einer Stunde ging ich vom Bass durchgewalkt aus der Halle am Berghain.
Fenster, diese vierköpfige Berliner Band, sang zu ihrem selbstgedrehten Film. Verstörende Bilder wäre jetzt vielleicht zu viel gesagt. Aber irgendwie ein bisschen aus der Bahn warfen sie schon. Aber nicht lange, denn da war ja auch noch die Musik. Eine Band, die Fenster heißt, lässt einen nicht im Regen stehen.
Und eine russische Sängerin, die gleichzeitig zwei Synthies bedienen kann und ein durchsichtiges weißes Kleid trägt, natürlich auch nicht. Chikiss heißt sie, sie spielte in der Panorama Bar im Berghain. Und wenn ich mir was wünschen darf, dann bitte das: Chikiss soll auf meiner Beerdigung (die hoffentlich nicht so bald ansteht) spielen. Mit beiden Synthies.
Morgen mehr!

Ohne Probleme ins Berghain: der Pop-Kultur-Trick!

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Es gibt Menschen, die zahlen mehrere hundert Euro, wenn sie jemand garantiert ins Berliner Berghain hineinbringt. Kein Witz! Dabei gibt es ja einen viel besseren und billigeren Weg, der einen noch dazu mit großartiger Musik konfrontieren wird: das Pop-Kultur-Festival Ende August (26.08. - 28.08.2015). Drei Tage, die es in sich haben werden, drei Tage, in denen nicht nur das Berghain selbst, sondern auch die anderen Berghain-Anhängsel (die Panorama Bar, die Halle am Berghain, die Kantine am Berghain, die Schlackehalle, sowie die Berghain-Garderobe) bespielt werden.
Die Liste der Musiker, die das spielen werden, ist ziemlich lang und ziemlich gut, außerdem wird es zu jeder Menge außergewöhnlicher Begegnungen kommen. Nur ein Beispiel: wenn ein Hirnforscher (Dr. Tom Fritz) und ein Künstler (Norbert Bisky) über Techno sprechen, dann dürfte es ziemlich interessant werden. Warum? Weil der eine dem anderen vielleicht erklären kann, warum der beim Malen so gerne Techno hört.
Bevor ich jetzt alles aufzähle, was Ende August passieren wird, hier lieber meine persönlichen Hightlights (der Gesamtüberblick in Sachen Programm findet sich auf der Seite von Pop-Kultur): Ich freue mich auf Ho99o9 (gesprochen Horror - die werden noch mal ganz groß!), auf Pantha Du Prince, auf T.Raumschmiere, auf Bernard Sumner von New Order, auf den alten Mute-Label-Chef und Depeche-Mode-Entdecker Daniel Miller, auf Lapalux, auf Isolation Berlin, auf 18+ und auf Kane West. Ja, auf Kane West.
Außerdem natürlich auf Gudrun:

Und ich freue mich auf die beiden Erfinder von Pogo und von Breakdance (sein Name ist Ludwig, am Ende des Videos, es lohnt sich!):
Und dann haben wir natürlich auch noch „Friendly Friedrich from Pankow“, den Erfinder des Glam Rock. Ja, it began in Berlin! Und Pop-Kultur wird das noch mal deutlich machen. Ich bin dabei. Und alle meine 400 Freunde auch. Und die anderen, die so schlau waren, sich Tickets zu holen. Diese Tickets werden nämlich bald weg sein.

Kneten mit Karlotta und Sven ...

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Wann habe ich das letzte Mal Knete in der Hand gehabt? Keine Ahnung, es wird irgendwann in den 90ern gewesen sein, als ich noch einmal das Kind in mir entdeckte und mit einem kleinen Rohr bewaffnet auf ahnungslose Menschen schoss. Beinahe gab’s dafür aufs Maul und dann wurde es auch schnell wieder langweilig.
Linda Jakobsen hat für Knete eine bessere Verwendung gefunden, sie modelliert daraus kleine Figuren. Und nennt sich deshalb auch nicht mehr Linda Jakobsen, sondern Karlotta Knetkowski. Gerade ist ihr Buch erschienen, Berlin Knetografie. Ein Fotobuch, es zeigt etliche dieser Knetfiguren, die Berliner Persönlichkeiten darstellen. Was das hier beim Technoarm zu suchen hat? Ist doch klar: Sven Marquardt und Dr. Motte sorgen für die Techno-Momente in diesem Buch. Motte stilgerecht vor der Siegessäule, Marquardt natürlich vor dem Berghain. Aber auch die anderen Figuren sind schön anzusehen. Mit dabei: Kinski, Schlingensief, Brecht, Juhnke, Bela B. ... und etliche andere. Knet on!
Karlotta Knetkowski: Berlin Knetografie. Mitteldeutscher Verlag.

Nick Höppner: wir nennen es Folk

Man wird ja wohl noch fragen dürfen: Darf jemand, der mit beiden Beinen fest im Techno und House steht, sein Album „Folk“ nennen? Nick Höppner, der als DJ, Produzent und Label-Chef das Geschehen im Berliner Club Berghain mitbestimmt, macht es einfach. Und meint natürlich etwas völlig anderes als handgemachtes, akustisches Gitarrengezupfe. Ihm geht es um die Tradition, in der die elektronische Clubmusik mittlerweile steht: vor 20, 30 Jahren wurde sie entwickelt, berief sich dabei auf Disco-Musik, die sich ja auch schon aus Funk und Soul herausgeschält hatte. Wann und wie genau das alles losging, lässt sich gar nicht mehr sagen. Aber wie die Musiker im Folk gaben auch hier die Produzenten und DJs ihr Wissen von Generation zu Generation weiter, auf Platte und auf dem Dancefloor. Und jede Generation machte aus dem Überlieferten etwas Neues, ohne die Wurzeln in Frage zu stellen. Höppners Tracks sind dafür das beste Beispiel: es regiert der 4/4-Takt, na klar, drumherum spielt er mit Sounds und Melodie-Schnipseln und fügt dem Techno-Universum einen weiteren kleinen Planeten hinzu, der kleine Electro-Folkie.

Türsteherei auf Lehramt

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Das hat sich schnell gelesen. Sven Marquardt, in Ost-Berlin Punk, Fotograf und Nichtsnutz, nach der Wende vor allem als Türsteher vom Berghain bekannt geworden, hat seine Memoiren aufgeschrieben bzw. aufschreiben lassen: Die Nacht ist Leben. Mehr als 200 Seiten, in denen er von seinen ersten 50 Jahren erzählt. Übers Berghain lässt er nicht viel raus, was ich cool finde. Noch besser gefällt mir, was er für ein Leben in der DDR geführt hat: sein Leben nämlich. So, wie er das für richtig hielt, ziemlich unangepasst, nicht gegen Partei und Staat, sondern irgendwie ... parallel dazu. In einer eigenen Welt. Das war vielleicht nicht jedem möglich, aber ihm schon ... und so, wie er es beschreibt, war das nicht einmal so furchtbar schwierig.
Schade, dass er durch die vielen Episoden durchhastet. Und sehr, sehr schade, dass das Ganze so unliterarisch, so ohne Dramaturgie, einfach nur der Reihenfolge nach erzählt wird. Trotzdem gerne - und schnell - gelesen.

Berghain oder Zwerghain?

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Ich fürchte, es war keine gute Idee vom Stern, den bald 47 Jahre alten Journalisten Andreas Wenderoth mit einer Reportage über das Berghain zu beauftragen. Denn was soll der schon über diesen Club erzählen außer ein paar reißerische Geschichte über Drogen und Sex, Drogen und Sex, Drogen und Sex? Obwohl ... eigentlich sind das ja genau die Geschichten, die der Stern gerne in seinem Heft hat. Also aus Stern-Sicht doch die richtige Entscheidung. Aus Sicht eines voyeuristischen Lesers ... vertretbar. Nur die, die das Berghain auch von innen kennen, dürften lachen und weinen zugleich. Read and rave on nach dem Klick ...

Du kommst nicht rein - heute nicht!

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Das „Berghain“ und seine Türsteher waren hier im Technoarm schön öfter Thema. Jetzt gibt es Neues, man kann sich nämlich die Frage beantworten, wie die Menschen, die nicht ins „Berghain“ reinkommen, also an der Tür abgewiesen werden, aussehen! Der Tagesspiegel hat die, die es nicht in den Club hineinschafften, einfach fotografiert. Bei einigen Fotos bilde ich mir ein zu wissen, warum es nicht geklappt hat. Bei anderen kann ich nur raten. Die Vermutungen der Abgewiesenen, warum sie nicht reindurften, sind meiner Ansicht nach aber fast immer falsch. Und zum Trost: Abgewiesen werden ist nicht schön, aber wer noch nie an einer Club-Tür abgewiesen wurde, hat eine wichtige Erfahrung verpasst, so viel ist sicher.

Berghain ruft "Alle"! "Worker's Pearls" vor die Säue!

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Selbst Leute, die mit beiden Beinen fest auf den Tanzfluren des Berliner Party-Lebens stehen, sind schon an der Tür des Berghain-Clubs gescheitert. Oder auf wahre Größe zurecht gestutzt worden – warum auch nicht, so ein kleiner Dämpfer kann ja manchmal Wunder wirken. Ich habe mich nicht immer, aber meistens vor dem Berghain gedrückt: Die Aussicht, zwei Stunden anzustehen, um dann doch nicht reingelassen zu werden, fand ich nicht soooo toll. Diese Türsteher-Geschichten rund ums Berghain sind natürlich nicht besonders neu, aber der naheliegende Einstieg zur Geschichte rund um „ALLE – Worker’s Pearls“. Read and rave on nach dem Klick ...

Bumm Bumm Bumm Januar 2011

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Na endlich: Die Winterpause ist vorbei, es wird wieder rezensiert im Technoarm-Land! Auch wenn die drei Alben schon ein paar Wochen alt sind, sind sie trotzdem gut und toll und großartig und vor allem hörenswert. Wer lieber erst einmal lesen möchte, was Dave DK, das Berghain und die G.I. Disco so zu etwas besonderem macht, der ist hier an der richtigen Stelle. Read and rave on nach dem Klick ...

Ein Aufgang ist nicht immer eine Treppe

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Zwei Konzertflügel und ein echtes Schlagzeug. Was das mit Techno zu tun hat? Im Falle von „Aufgang“ mehr, als manchem Techno-Produzenten lieb sein kann: Das Trio, das irgendwie aus New York, aber auch aus dem Libanon, Luxemburg und Frankreich kommt (aus diesen Ländern kommen sie nämlich, aber sie haben sich an der Julliard School of Music in New York kennengelernt), erzeugt mit diesen „real instruments“ mehr Clubfeeling als viele andere Produzenten mit ihrer Batterie Computern, Plug-Ins, Synthesizern. Read and rave on nach dem Klick ...

Der "Gorilla" vom Berghain

Fotografiert von Krystall.Pritchett
Mein Apostroph-Supermarkt um die Ecke hat mich hereingelegt und mir ein altes „Dummy“-Magazin verkauft. Zum Glück, sonst wäre mir eine schöne Geschichte über den gesichtstätowierten, legendären, weit über Berlin hinaus gefürchteten Berghain-Türsteher Sven Marquardt entgangen, der, wenn ich mich recht entsinne, ungefähr so aussieht wie die Frau auf dem Foto. Man kann die Geschichte online leider nur anlesen, aber sie geht etwa so: Read and rave on nach dem Klick ...